Fahrrad Schilder (ab 1895)

Am 14. Februar 1894 erliess der Regierungsrat die erste Verordnung über das Radfahren. Diese Verordnung schoss weit über das Ziel hinaus und verbot das Radfahren in grossen Teilen der Stadt: Gestattet war es nur ausserhalb der alten Gräben St. Alban, Steinenberg, Kohlenberg, Leonhard und Peter, im Kleinbasel ausserhalb der Wettsteinstrasse, des Claragrabens, der Klingentalstrasse, der Klybeckstrasse, des Klingentalgrabens und des Rheinwegs. 1897 wurde das Fahrverbot stark gelockert und Velofahren war nur noch in der Gerbergasse, in der Freien Strasse, auf dem Marktplatz, in der Hutgasse, am Spalenberg, an der Schneidergasse, an der Eisengasse, auf der alten Rheinbrücke und an der Greifengasse verboten! Die Verordnung von 1894 verlangte zudem für jedes Velo ein Nummernschild, für das zwei Franken zu bezahlen waren. Am 11. Mai 1898 dehnte der Regierungsrat diese Pflicht auf alle Motorfahrräder und sonstige Motorfuhrwerke aus, das erste Automobilschild der Schweiz war damit geboren, auch wenn es ein Fahrradschild zum Preis von zwei Franken war!

Da sich aber schon bald das Bedürfnis nach einheitlichen Bestimmungen regte, behandelten die Kantone ab 1902 die einschlägigen Fragen in jährlichen Konferenzen. Am 13. Juni 1904 kam es zu einer einheitlichen interkantonalen Verordnung zum Motorwagen- und Fahrradverkehr (mit 33 Artikeln), worauf der Regierungsrat am 2. Juli 1904 eine Verordnung betreffend den Motorwagen- und Fahrradverkehr erliess. Das Konkordat regelte die Ausrüstung der Motorfahrzeuge und Fahrräder sowie generell den Fahrzeugverkehr. Am 29. Juni 1914 schlossen die Kantone ein neues interkantonales Konkordat über eine einheitliche Verordnung betreffend den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern ab (mit nun 71 Artikeln). Dieses Konkordat nahm eine Pionierrolle in Europa ein. Eine Aenderung dieses Konkordat erfolgte auf den 29. Dezember 1921. Mit dem Bundesgesetz von 1932 (in Kraft am 01.01.1933) wurde das Verkehrswesen und die Verkehrsgesetzgebung gesamtschweizerisch geregelt. Die Kantone sind vom Bund beauftragt, Ausweise und Kontrollschilder nach einheitlichen Vorschriften abzugeben.

1895 hielten die noch sehr teuren Fahrräder Einzug beim Polizeikorps: Es wurden von der ältesten Fahrradfabrik der Schweiz, der 1879 an der Feldbergstrasse in Basel gegründeten Firma J. Flammer AG, die ersten Velos gekauft. Schon 1895 erwähnte ein Polizist in seinem Rapport, dass er und ein Schutzmann mit den Fahrrädern an eine Requisition ausgerückt seien. Eine Liste von 1910 zeigt, dass in diesem Jahr bereits auf allen Polizeiposten eines oder mehrere Fahrräder vorhanden waren. 1939 waren es 99, 1950 131, hauptsächlich der Marken Motosacoche, Schwalbe und Condor. 1957, mit der zunehmenden Motorisierung der Polizeiposten noch 81.

1997 sind es immer noch 86.

1894 musste die Fahrrad Nummer noch, in deutlich sichtbarer Weise, am Kreuzstück der Lenkstange oder an der Bremsstange vorne angebracht werden. Eine persönliche Radfahrerkarte wurde vom Polizeidepartement ausgestellt. Schon damals musste vorne bei Nacht eine hellbrennende Laterne angebracht werden. Ebenfalls war ein Signalapparat vorgeschrieben.

1904 musste jeder Radfahrer eine Ausweiskarte mit sich führen, in welcher Name, Vorname, Wohnort, Beruf, sowie die Nummer des Fahrrades eingetragen werden musste. Jedes Fahrrad musste mit einem nummerierten Kontrollschild versehen sein. Dasselbe mussten ein kantonales Abzeichen tragen und am Hinterteil, parallel zu Lenkstange, befestigt werden. Als Alarmapparat musste es mit einer Glocke, Schelle oder einem Horn versehen sein.

1914 können die Kantone für die Ausweiskarte einen Fotografie verlangen. Es sind nur noch Glocke oder Schelle als Alarmvorrichtung zulässig.

1933 kommt hinzu, dass hinten eine Rückstrahler angebracht werden muss.

Am 6. Januar 1937 schrieben die Basler Nachrichten unter dem Titel ‚Die Notwendigkeit der Radfahrerkontrollen‘, dass mit dem zunehmenden Strassenverkehr vor allem die Radfahrer immer häufiger an Verkehrsunfällen beteiligt seien. Waren 1894 noch 1670 Fahrräder registriert so erhöhte sich die Zahl 1910 auf 11’831, 1920 auf 17’451, 1930 auf 33’143 und 1936 auf rund 50’000. 600 davon waren 1936 an einem Verkehrsunfall beteiligt. Es komme immer wieder vor, dass Radfahrer keine Zeichen geben, Fussgängerstreifen skrupellos überqueren, bei haltenden Trams durchfahren, Nachts ohne Licht fahren, ein unsinniges Tempo vorlegen, Kurven schneiden und andere Unarten aufweisen.

Auf den 1. Januar 1966 mussten alle Fahrräder mit einem elektrischen Schlusslicht ausgerüstet sein.

Fahrrad Schilder gab es in Basel von 1894 bis 1988.

Von 1894 bis 1942 in verschiedenen Formaten, Grundfläche aus Aluminium, Zahlen- und Buchstabenbild schwarz.

Von 1943 bis 1951 im Querformat 9x4 cm. Die Farben von Grundfläche, Zahlen- und Bachstabenbild änderten jährlich.

Von 1952 bis 1988 waren die Schilder im Hochformat 8x5 cm. Von 1952 bis 1960 war die Grundfläche grau und ab 1961 rot lackiert. Die Farbe des Zahlen- und Buchstabenbildes änderte aber jährlich.

Auf die Fahrrad Schilder folgte 1989 eine rote Grundplatte mit den gleichen Massen. Auf diese oder am Rahmen selbst konnte die neu geschaffene Fahrrad Vignette aufgeklebt werden. Am 31. Mai 2012 kam auch für die Vignette das Aus. Unfälle werden seit dem 1. Januar 2012 nur noch durch die private Haftpflichtversicherung gedeckt.

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