Bankräuber im Blutrausch (1934)

Das Geschehen um die beiden 1910 geborenen Raubmörder Kurt Sandweg und Waldemar Velte bewegte in den ersten Wochen des Jahres 1934 die Bevölkerung der Region, ja der ganzen Schweiz und weit darüber hinaus in bisher einzigartigem Ausmass:

Am Freitag, 5. Januar 1934, 0830 Uhr, stürzten zwei junge Burschen in hellen Regenmänteln und grossen Autobrillen in die Schalterhalle der an der Elisabethenstrasse 42 gelegenen Wever-Bank. Sie schrien „Hände hoch“ und schossen blindlings auf den flüchtenden 25-jährigen Buchhalter A. Kaufmann und auf den 42-jährigen Bankbeamten Jacques Beutter, der die Hände in die Höhe hielt. Beide sanken, von den Kugeln getroffen, lautlos hinter den Schaltern zu Boden, der eine war sofort tot, der andere etwas später. Die beiden Mörder stürmten unter Mitnahme einer Stahlkassette, die 228 Franken Schweizer Silbergeld, 119 Reichsmark und 103 Französische Franc sowie einige Zeppelintaler enthielt, aus der Bank, an einem Polizeiwachtmeister und gaffenden Passanten vorbei und flüchteten mit einem blauen Ford. Nun begann eine Grossfahndung nach den beiden ruchlosen Tätern, aber sie blieben unauffindbar. Schon bald wurde am Rhein der gestohlene blaue Ford mit der Stahlkassette und den Zeppelinmünzen gefunden. Bei der Polizei gingen in den nächsten Tagen hunderte von Meldungen ein, aber keine führte auf eine Spur der Täter. Die Untersuchung der Patronenhülsen ergab, dass diese in Deutschland produziert worden waren. Die Polizei in Stuttgart stellte Parallelen zu einem im November 1933 auf eine dortige Bank erfolgten Raubüberfall fest, bei dem ebenfalls rücksichtslos von der Waffe Gebrauch und ein Bankbeamter erschossen worden war. Auch dort waren die beiden Täter mit geringer Beute geflüchtet.

Auch nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte, führte die Polizei ihre rigorosen Kontrollen in der Stadt fort. Alle Hotels, Herbergen, Kostgängereien und sonstigen möglichen Aufenthaltsorte wurden täglich kontrolliert. Bei einer solchen Kontrolle in einer Pension an der Sperrstrasse am Samstag, 20. Januar, kurz nach sieben Uhr, trafen Detektivkorporal Jakob Vollenweider und Polizist Alfred Nafzger auf zwei junge Burschen, die daran waren, sich anzuziehen. Während Vollenweider in einem der Pässe blätterte, griff einer der Männer plötzlich in die Tasche. Vollenweider bemerkte dies und drückte ihn rücklings auf ein Bett. In diesem Moment schoss der zweite Täter Polizeimann Nafzger in den Rücken. Nafzger brach lautlos zusammen, hörte aber noch, dass weitere Schüsse fielen, die Detektivwachtmeister Vollenweider getroffen hatten. Der 57-Jährige starb auf der Stelle. Dem 37-jährigen Nafzger gelang es trotz seiner schweren Verletzungen, an deren Folgen er am nächsten Tag sterben sollte, sich hinter den flüchtenden Verbrechern die Treppe hinunter zu schleppen und einen Passanten auf die Flüchtenden aufmerksam zu machen. Dann brach er bewusstlos auf dem Trottoir zusammen. Der Passant zeigte sich furchtlos und nahm die Verfolgung auf. Als er die Flüchtenden kurz danach stellte, schoss ihn der eine kurzerhand nieder, worauf die beiden mit zwei herumstehenden Fahrrädern flüchten konnten. Der Passant namens Zwahlen, der nur einen Streifschuss erhalten hatte, verfolgte sie mit blutüberströmtem Gesicht kreuz und quer durch Kleinbasels Strassen. Endlich übernahm ein Polizist die Verfolgung, Zwahlen begab sich auf den Claraposten, wo er verbunden wurde. Die beiden flüchteten über den Rhein, dann ging die Spur verloren.

Nun aber kannte die Polizei die Identität der Mörder und konnte feststellen, dass sie sowohl mit den Banditen der Wever- als auch der Stuttgarter Bank identisch waren. In den Effekten fand sich ein Foto der beiden, die sie kurz vorher im Warenhaus Globus hatten anfertigen lassen. Mit den am gleichen Tag erschienenen Extrablättern der Basler Presse fand dieses Foto und die Namen der Täter in kürzester Zeit weite Verbreitung: Kurt Sandweg und Waldemar Velte, beide 1910 in Wuppertal/D geboren.

Mitten in die fieberhafte Tätigkeit der Polizei kam die Meldung, die beiden seien in der Nähe von Reinach gesichtet worden. Nun begann eine für die Schweiz einmalige Fahndung und Verbrecherjagd, an der über 400 Polizisten und Grenzwächter zu Fuss, auf Motorrädern und Autos und sogar ein Flugzeug teilnahmen. Tausende Zivilisten boten der Polizei nicht nur ihre Suchhunde, Autos und Motorräder, sondern auch – trotz der Gefährlichkeit des Einsatzes – ihre persönlichen Dienste an. Da die Führung der über 400 Mann starken Polizeikräfte schon schwierig genug war, lehnte das in Laufen eingerichtete Hauptquartier unter dem 1. Staatsanwalt Dr. Paul Dubi, Polizeiinspektor Viktor Müller und den Polizeioffizieren Emil Sydler, Emil Bloch, Werner Sommer und Dr. Rüdeger Brüstlein, diese Angebote ab.

Die Grenzen gegen das Elsass wurden durch etwa 100 Mann der Grenzwächterrekrutenschule hermetisch abgeriegelt. Neben den Basler Polizisten nahmen auch solche von Bern, Solothurn und Baselland an der Verfolgung und an den Einkreisungsversuchen im Jura teil. In Laufen wurden die Mörder gesehen. Einer der beiden kaufte in einem Laden Proviant ein, der andere stand Schmiere. Als die alarmierte Polizei auftauchte, waren sie bereits verschwunden. Ungeniert und kaltblütig setzten sie sich ins Bahnhofbuffet, und bestellten ein ausgiebiges Zvieri und lasen die Extrablätter. Gestärkt setzten sie sich in Richtung Röschenz ab.

Schon bald begann es dunkel zu werden, Motorräder und Autos jagten durch die Gegend Richtung Röschenz. Kurz vor 19 Uhr krachten aus einem Steinbruch an der schmalen Strasse wenige hundert Meter oberhalb Laufen Schüsse: Die beiden Banditen hatten sich dort versteckt und schossen feige aus dem Hinterhalt auf eine Polizeipatrouille, die auf einem Motorrad mit Seitenwagen auf der Strasse von Röschenz nach Laufen daherkam. Der 45-jährige Basler Detektivkorporal Johann Maritz wurde mit Kopfschuss sofort getötet, Detektiv Walter Gohl wurde durch einen Unterkieferdurchschuss und einen Schulterschuss schwer verletzt, kam aber glücklicherweise davon. Da hinter der Motorradpatrouille ein Auto folgte, konnten die Verbrecher ihren Plan, das Motorrad zu stehlen, nicht vollenden. Sie flüchteten zu Fuss, während die beiden Opfer nach Laufen ins Spital gebracht wurden, der tote Detektivkorporal Maritz auf dem Motorrad-Seitenwagen, der verletzte Detektiv Gohl mit dem Auto eines herbeigerufenen Arztes.

Dieser schreckliche Vorfall verbreitete Angst und Schrecken und verunsicherte alle Beteiligten. Jede Polizeipatrouille musste gewärtigen, aus dem Hinterhalt überfallen zu werden. Und so kam es zu einem weiteren, sehr bedauerlichen Vorfall: Der 21-jährige Fritz Scheidegger aus Laufen, Unteroffizier in der Armee, stellte sich zusammen mit seinem Freund einer das Spital Laufen verlassenden Polizeipatrouille als ortskundiger Führer zur Verfügung. Auf der Fahrt zum Steinbruch stand er auf dem Trittbrett des Polizeifahrzeuges. Am Tatort angekommen gingen Scheidegger und sein Freund einem hinter ihnen fahrenden, ebenfalls von Polizeibeamten besetzten Auto entgegen, um es aufzuhalten. Dieses Auto wurde von Polizeimann Sommer gesteuert. Neben ihm sass mit schussbereiter Waffe der auf dem Horburgposten stationierte Polizeimann Heinrich Stehlin. Die beiden hatten von dem an Maritz und Gohl verübten Verbrechen Kenntnis. Zwischen Laufen und Röschenz kamen ihnen zwei junge Leute entgegen. Sommer rief Stehlin zu, das seien die Täter. Gleichzeitig verlangsamte er die Fahrt, dann hielt er an. Die beiden jungen Leute näherten sich dem Wagen. Sommer fragte sie, wer sie seien und was sie hier täten. Da keine Antwort erfolgte rief ihnen Stehlin entgegen: „Polizei, Hände hoch“. Gleichzeitig richtete er seine Waffe auf einen der Beiden und gab einen Schuss ab. Scheidegger stürzte schwer verletzt zu Boden und verstarb trotz Vornahme einer Operation noch am selben Abend im Basler Bürgerspital am erlittenen Lungendurchschuss.

Scheidegger war indirekt das 6. tödliche Opfer der Banditen. Nun wurde die Parole ausgegeben: „Jagd auf die Mordbuben – lebend oder tot.“ Zwei Camions mit Basler Polizisten und den restlichen Polizeioffizieren wurden in den Jura geschickt, um das Gebiet um Laufen-Röschenz abzuriegeln. Berner, Solothurner und Landschäftler Polizisten patrouillierten gemeinsam in der kalten und dunklen Nacht. Um 22 Uhr war der Kreis geschlossen, alle Strassen streng überwacht.

Die Gegend um Mariastein, aber auch hinauf bis zum Passwang und um Laufen herum wurde auf eigene Faust von Basler Automobilisten abgesucht. Die intensive nächtliche Suchaktion zeitigte keinerlei Erfolg, die Täter blieben verschwunden. Die Jagd ging am Sonntag weiter, nun sogar von einem Suchflugzeug unterstützt. Da es noch keine Funkverbindungen gab, wurden grosse Markierungen in Form eines weissen Kreuzes ausgelegt, auf welche die Flugbesatzung ihre Meldungen abwerfen konnte. Der von Basel aufgestiegene Pilot Hauptmann Baumann warf als erste Meldung ab: „Auf dem ganzen Weg nichts bemerkt. Polizeipatrouillen sollten mehr in Deckung gehen.“ Die zweite Meldung brachte eine Sensation: Er habe die beiden Flüchtenden auf der Strasse zwischen Laufen – Wahlen – Fehren, also ausserhalb des von der Polizei abgesperrten Gebietes, beobachtet. Diese Fliegerbeobachtung wurde unterstützt durch eine Meldung, wonach die beiden auf der Strasse zwischen Erschwil und Meltingen mit Bestimmtheit erkannt worden seien. Sie hätten sich beim Erscheinen von Leuten in den Wald geflüchtet. Eine grosse Suchaktion durch die Juraschluchten Richtung Passwang setzte ein, blieb aber trotz Einsatzes von Suchhunden erfolglos.

Am Sonntagabend war man ohne jede Spur der flüchtenden Verbrecher, sie waren wie vom Erdboden verschluckt.

In Basel löste die ruchlose Tat dieser rücksichtslosen Verbrecher eine tiefe Abscheu, aber auch ein tiefes Mitgefühl für die Blutopfer und deren Angehörige aus. Vor den Zeitungsdruckereien versammelten sich Tausende, die einzige Möglichkeit, sich zu informieren. Die Extrablätter, das dritte erschien am Sonntagabend, wurden den Verkäufern aus den Händen gerissen.

Währenddessen hoffte die Polizei auf drei Verbündete: Auf Kälte, Hunger und Verzweiflung. Den Mördern war aus den Extrablättern bewusst, dass sie überall bekannt waren und sich nirgends mehr zeigen konnten. Was tun? Über verschlungene, anstrengende Pfade, über Brislach, das Kessiloch und Grellingen, gelangten sie nach Basel, wo sie im Margarethenpark die kalte letzte Nacht verbrachten. Von dort aus telefonierten sie - wahrscheinlich von der kurz vor der Eröffnung stehenden Kunsteisbahn[1] - um 2230 Uhr der Globusschallplattenverkäuferin Dorli Schupp, die sie am Tag des Überfalls auf die Wever-Bank kennen gelernt und mit der sie manche schöne Stunde bei Spaziergängen am Rhein verbracht hatten. Die beiden hatten sich sogar in sie verliebt – ob die beiden Mörder ihretwegen so lange in Basel blieben ist anzunehmen – weshalb die Ahnungslose die beiden „Gentlemen“ täglich zusammen mit ihrer Freundin Marie Stifler aus der Sportabteilung des Globus traf.

Dorli Schupp, der natürlich klar geworden war, mit wem sie sich eingelassen hatte, wurde aus der Telefonkabine bei der neu erstellten Kunsteisbahn von den beiden Verbrechern gebeten, Proviant in den Park zu bringen. Bevor sie sich mit einem Laib Brot auf den Weg machte, informierte sie telefonisch die Polizei über den Kontakt mit den Flüchtenden, worauf der Margarethenpark vollständig umstellt wurde. Die Polizeitruppen aus Röschenz und Laufen wurden auf Camions verladen und nach Basel verbracht, wo sie die Kette um den Park verstärkten. Als um etwa 23 Uhr der Park umstellt war, begab sich Dorli Schupp mit klopfendem Herzen zum oberen Ausgang des Parks. Plötzlich hörte sie einen Pfiff und ihren Namen rufen. Im Dunkeln erkannte sie die beiden Deutschen, die sie mit der Pistole in der Hand erwarteten. Die beiden erkundigten sich, ob sie Polizisten bemerkt habe, was sie verneinte. Als sie fragten, ob sie ihnen etwas mitgebracht habe, gab sie ihnen den Laib Brot, worauf sie für ihre Bereitschaft gerührt dankten. In diesem Moment bemerkte einer der beiden oberhalb des Parks die Silhouette eines knienden Polizisten und ohne jeglichen Abschied flüchteten die beiden in das Innere des Parks. Nun war ihnen klar, dass sie verraten worden waren und dass sie in der Falle sassen. In der Nacht wurden verschiedentlich Schüsse gehört. Ein Vordringen in den Park wurde aber bis zum Morgen verschoben, da man annahm, dass die Banditen ihr Leben möglichst teuer verkaufen würden. Kurz vor acht Uhr am Montagmorgen, 22. Januar, drang Polizeiinspektor Müller in Begleitung einiger schiessfertiger Polizisten über das Teufelsbrücklein[2] in den Park ein (obwohl dieses auf Gebiet des Kantons Basel-Landschaft liegt). Nicht weit entfernt fand man die beiden Banditen tot auf dem Weg oberhalb des Neubaus der Kunsteisbahn. Was sie in ihren letzten Stunden taten, hielt Waldemar Velte in seinem sorgfältig geführten Tagebuch fest: Nach dem gemeinsamen Beschluss, jetzt ihrem Leben ein Ende zu bereiten, schossen sie sich gegenseitig in den Kopf. Während Kurt Sandweg sofort tot zusammenbrach, war Waldemar Velte noch in der Lage, sein Tagebuch zu vervollständigen. Nach einigen Stunden neben dem toten Sandweg, von dem er in den letzten Wochen unzertrennlich war, gab er sich den tödlichen Schuss selber.

Drei Bankbeamte in Stuttgart und Basel, drei Polizeibeamte in Basel und einen unbeteiligten jungen Mann hatten die Täter auf dem Gewissen, einen weiteren Basler Polizeibeamten und einen mutigen Passanten durch Schüsse schwer verletzt.

Sandweg und Velte stammten aus guten bürgerlichen Häusern in Wuppertal, von Beruf waren sie Ingenieure, allerdings waren sie mittel- und arbeitslos. Angeblich aus politischen Gründen wollten sie das zu Beginn des Nationalsozialismus stehende Deutsche Reich verlassen und nach Indien auswandern. Um sich Geld für die Reise zu verschaffen, überfielen sie in Stuttgart eine Bank, wobei sie schon dort rücksichtslos von ihren Waffen Gebrauch machten und einen Bankbeamten erschossen. Dann kamen sie nach Basel, wo sie die Nacht vor der Tat in der Wever-Bank im Hotel Fortuna an der Küchengasse 18 logierten. Als ihnen das Geld ausging, entschlossen sie sich zum zweiten Banküberfall, blieben aber erstaunlicherweise in Basel, wahrscheinlich wegen der zu Liebe entflammten Bekanntschaft mit Dorli Schupp. Einige Tage vor ihrer Entdeckung verabschiedeten sie sich von Dorli Schupp, erbaten aber ihre Telefonnummer. Am Freitagabend, 19. Januar begaben sie sich zur Vorbereitung ihrer Abreise an den Badischen Bahnhof. Wären sie am folgenden Morgen nicht in ihrer Pension kontrolliert worden, wären sie vermutlich abgereist, Basel wäre eine schreckliche Mordserie erspart geblieben.

Da die Feuerwehr von Hofstetten anlässlich der nächtlichen Verbrecherjagd etwa 25 Feuerwehrleute zur Überwachung des nördlichen Waldausganges des Blauengebietes aufbieten musste, verlangte sie ein Jahr später von den Basler Behörden Schadenersatz: Geld für vier Stunden Einsatz jedes Feuerwehrmannes. Da in der Schweiz Rechtshilfe unentgeltlich zu leisten sei und der Feuerwehreinsatz dem Schutz der Bevölkerung gedient habe, lehnte Regierungsrat Ludwig – unter Verdankung des geleisteten Dienstes – eine Entschädigung ab. Eigentümlicherweise stellte auch die Stadtpolizei Bern an die baselstädtische Staatsanwaltschaft eine Rechnung für ihren Einsatz. Mit dem Hinweis, dass sie erst eingegriffen habe, nach dem die Schüsse auf die Basler Polizeibeamten Maritz und Gohl gefallen waren und damit ein Verbrechen im Kanton Bern verübt worden war, wurde die Rechnung zurückgeschickt. 

Das vom Richteramt Laufen wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitete Strafverfahren gegen Polizeimann Heinrich Stehlin, der nach der Tat einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte,  wurde am 10. April 1934 „mangels Vorhandenseins einer mit Strafe bedrohten Handlung“ eingestellt.

In der Öffentlichkeit war eine grosse Anteilnahme für die Opfer und deren Angehörige zu spüren. Ausdruck davon waren grössere Geldspenden, so vom Schweizerischen Bankverein in Basel für die Hinterlassenen der von den beiden Bankräubern erschossenen Angehörigen des hiesigen Polizeikorps 10’000 Franken, von der Basler Handelsbank 5’000 Franken, vom  Touring Club Suisse 3’000 Franken, vom Verlag der Basler Nachrichten 1’000 Franken und von einem Ungenannten 50 Franken. Die Generaldirektion der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich überwies zu Gunsten der Hinterlassenen sowohl der bei der Verfolgung der beiden Bankräuber ums Leben gekommenen Polizeimänner als auch des versehentlich erschossenen Fritz Scheidegger den Betrag von 10’000 Franken, zusammen also fast 30’000 Franken.

Mit den Eltern und Grosseltern des irrtümlich erschossenen Fritz Scheidegger aus Laufen konnte am 4. Juni 1934 ein Vergleich bezüglich des erlittenen Versorgerschadens (soweit er nicht durch die Leistungen der SUVA gedeckt war) geschlossen werden. Danach leistete der Kanton Basel-Stadt – fast zur Hälfte aus den eingegangenen Spenden finanziert – 25'000 Franken an den Versorgerschaden.

Die vom Justiz- und vom Polizeidepartement sowie von der Bank Wever ausgesetzte Belohnung von 2'000 Franken wurde Ende Mai 1934 an neun Beteiligte ausgerichtet: Die Hälfte erhielt Dorli Schupp für ihre Kooperation mit der Polizei und ihr heldenhaftes Verhalten im Margarethenpark, die andere Hälfte wurde in Teilbeträgen von 75 bis 250 Franken an zwei Frauen und zwei Männer für wertvolle Hinweise an die Polizei, an die drei mutigen Verfolger der auf dem Velo flüchtenden Täter sowie an einen Landschäftler Landjäger für die Weiterleitung einer Passantenmeldung und für seinen daraufhin erfolgten Einsatz mit seinem Hund.

Massnahmen zur Verbesserung der Verbrechensbekämpfung (1934)

Die Ermittlungsorgane, vor allem die Kriminaltechniker, waren Im Zusammenhang mit den schrecklichen Taten der beiden Raubmörder Sandweg und Velte äusserst gefordert. Sie hatten Spuren aufzunehmen in der Wever-Bank, in der Pension an der Sperrstrasse, vor dem Haus an der Sperrstrasse, im Steinbruch zwischen Röschenz und Laufen sowie im Margarethenpark. Dabei wurde offensichtlich, dass die bisherige Ausrüstung in jeder Beziehung ungenügend war. Der Regierungsrat zauderte nicht lange und stellte dem Grossen Rat einen Kreditantrag von 30’000 Franken „zur Ausrüstung und Ausbildung der Polizei zur Bekämpfung des Verbrechertums“. Bereits am 8. Februar entsprach der Grosse Rat diesem Antrag.

Daraus wurden für die Ausstattung eines Detektivbüros Möbel und zwei Schreibmaschinen, aber auch fotografische Ausrüstungen wie Blitzlichtlampen, Leuchtgeräte, Weitwinkel- und Fernobjektive sowie eine Traut-Simplex Tatortkamera angeschafft. Der Kredit wurde aber auch für den Kauf eines Autos für die Staatsanwaltschaft, einen sechs- bis siebenplätzigen Packard, Modell 1930, zum Preis von 3'500 Franken benutzt.

Dazu schrieb die National Zeitung am Donnerstag 21. Juni 1934

Das ‘Mordautomobil’

Als erstes ist die Anschaffung eines schnellen und geräumigen  A u t o m o b i l s  zum raschen Transport von Detektiven, Beamten des Erkennungsdienstes und des Photographen an den Tatort zu erwähnen. Der Wagen wird ferner das gesamte notwendige Material für die Sicherung der Spuren und die ersten Massnahmen am Tatort enthalten, und zwar Photoapparate, Scheinwerfer, ärztliches Material, Werkzeuge aller Art, Messinstrumente und Zeichenutensilien, Reinigungsmittel, alles Nötige zur Sicherung vorhandener Finger- oder Fussspuren (Gips etc.) und so weiter.

Im Tagesbefehl Nr. 460 vom 23. April 1936 stand:

Motorwagen der Staatsanwaltschaft

Der Wagen der Staatsanwaltschaft wird mit einer besondern akustischen Warnvorrichtung versehen, welche aber nur in dringenden Fällen gebraucht werden darf. Nachts soll an Stelle des akustischen Signals, das optisch grüne Blinklicht verwendet werden. Dem Wagen steht ein gesetzliches Vortrittsrecht nicht zu. Die Verkehrsposten haben jedoch das Vorwärtskommen des Fahrzeuges möglichst zu erleichtern, sobald das grüne Blinklicht aufleuchtet, oder das akustische Signal ertönt. In diesen Fällen hat der Planton die Fahrt nach Möglichkeit freizugeben.

Auch Ausbildungsaufenthalte von Kriminalbeamten in München und Stuttgart sowie Fahrstunden für Detektive und einen Staatsanwalt wurden finanziert. Zudem wurde in die Verbesserung der Telefonalarmeinrichtungen der Polizeiposten investiert.

Es wurde aber nicht nur kriminaltechnisches Material angeschafft, sondern es wurde aus dem bereits bestehenden Erkennungsdienst eine für die künftige Verbrechensaufklärung und -bekämpfung äusserst wichtige Institution geschaffen, die ‚Kriminaltechnische Abteilung (KTA). ‚Sandweg und Velte’ waren eine „Art Funken ins Pulverfass“ zur Gründung dieser neuen Abteilung der Staatsanwaltschaft, wie deren langjähriger Leiter, Dr. h.c. Ernst P. Martin (1915-2008), 1972 im Basler Stadtbuch schrieb. Wegbereiter dieses Dienstes war der Erste Staatsanwalt Dr. Paul Dubi, der in Kontakt stand mit dem in Berlin neu gegründeten Kriminalistischen Institut. Während 60 Jahren, d.h. von 1935 bis zum Auszug in den Waaghof im Jahre 1995, hauste die KTA im weitläufigen Estrich des Lohnhofes, während langen Jahren unter äusserst prekären räumlichen Verhältnissen. Dank der engen Beziehungen zu verschiedenen Instituten der Universität stand die KTA an der Spitze der kriminaltechnischen Entwicklung, in dem immer die neuesten chemischen und physikalischen Methoden und Gerätschaften zur Überführung oder Entlastung von Tätern angewendet wurden[3].

Auf Grund der schrecklichen Ereignisse im Januar 1934 wurden aber auch besondere polizeiliche Massnahmen getroffen, die im Jahresbericht wie folgt umschrieben wurden:

Als besondere Massnahmen sind zu erwähnen: Eine verschärfte Kontrolle der Kinematographentheater, der Grenzgänger, des Hausbettels, der Schlafgängereien und der Weinstuben sowie eine vermehrte Wohnungskontrolle durch die Quartierschreiber, ferner eine Verschärfung der fremdenpolizeilichen Kontrolle und des Polizeidienstes bei Nacht.

Diese Sicherheitsmassnahmen dominierten auf lange Zeit den polizeilichen Alltag, insbesondere den Dienst der Fahndungsbeamten.

 

Polizeimuseum Basel
Spiegelhof
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4051 Basel

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