Die Unfallgruppe (UG) (1937-1986)

Als mit der Strafprozessordnung von 1931 das Kriminalkommissariat geschaffen wurde, fielen die schweren Verkehrsunfälle, vor allem jene mit Personenschäden, in die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft. Der Polizei oblagen die sichernden Massnahmen bis zum Eintreffen der Beamten des Kriminalkommissariates und allenfalls der Kriminal Technischen Abteilung. Bei Verkehrsunfällen mit blossen Materialschäden nahm sich die Mannschaft des nächstgelegenen Polizeipostens der Sache an.

In den 1930er-Jahren nahm der Verkehr und mit ihm die Zahl der Verkehrsunfälle derart  stark zunahm, dass die Staatsanwaltschaft für die zahlreichen Unfälle mit Personenschäden ein eigentliches Unfalldezernat schaffen musste. Da es sich dabei aber doch meist um Bagatellfälle handelte, vereinbarte der Erste Staatsanwalt mit dem Vorsteher des Polizeidepartementes, nach dem Vorbild anderer grösserer Städte eine polizeiliche Unfallgruppe zu schaffen. Diese sollte aus „kleinen, rasch arbeitenden Gruppen von Polizeileuten, die bei einem Unfall auf der Strasse sofort von einer zentral gelegenen Stelle ausrücken und den Tatbestand aufnehmen“, bestehen.

Auf den 1. Oktober 1937 instruierte der Chef der Verkehrsabteilung neun Mann theoretisch und machte sie mit den Ursachen der Verkehrsunfälle vertraut. Aus den neun Mann bildete er drei Gruppen, jedem einzelnen Mann wurde eine spezifische Aufgabe zugeteilt (Protokollierung, Tatbestandsaufnahme mit massstabgetreuer Skizze und Fotos, Zeugenbefragungen). Das Kriminalkommissariat musste nur noch bei schweren Verkehrsunfällen, d.h. bei solchen, bei denen Personen erheblich verletzt wurden oder Menschenleben zu beklagen waren, verständigt werden.

In der Zeit von 0100 bis 0530 Uhr stand die Unfallgruppe nicht zur Verfügung, so dass  in dieser Zeit weiterhin die Postenmannschaft die Verkehrsunfälle aufnehmen musste. Der Chef der Unfallgruppe konnte aber bei schweren Unfällen auch in dieser Zeit erreicht werden und somit über das weitere Vorgehen (Aufbieten der Unfallgruppe) entscheiden. Diese Regelung hielt sich mit leichten Änderungen der Zeiten (Pikett von 0100-0600 Uhr) bis zum Ende der Unfallgruppe.

Das System einer spezialisierten Unfallgruppe hat sich bis heute bewährt. Nach dem Bau des Spiegelhofes zog die Unfallgruppe 1941 dort ein. Anfangs 1987 wurde sie in den durch Zusammenlegung von Unfallgruppe und Motorradfahrer neugeschaffenen Verkehrszug integriert und im Autobahnpolizeistützpunkt (APS) an der Schwarzwaldallee 100 stationiert.

Zur Alarmierung der Unfallgruppe bestand die Notrufnummer 17. Die Unfallgruppe war immer modern ausgerüstet: Von Anfang an verfügte sie über ein Bremsmessgerät und eine Stereokamera für photogrammetrische Aufnahmen.

An Fahrzeugen standen anfänglich ein DKW 600 und ein Motosacoche Motorrad mit Seitenwagen zur Verfügung. 1939 wurden ein Buick Modell 1938 mit dem Kontrollschild BS 17 (ab 1948 BS 17-1) und ein Ford Modell 1939 mit dem Kontrollschild BS 17-2 angeschafft. Die beiden Fahrzeuge blieben bis 1954 resp. 1965 im Dienst der Unfallgruppe. 1952 kam ein Chevrolet Modell 1952dazu. Dieser Chevy wurde der Presse als „modernstes Unfall-Pikettfahrzeug“ vorgestellt.

Als die Zahl der Unfälle in den 1960-er Jahren wiederum rasant anstieg (1965 = 1’992 Unfälle), musste auch die Unfallgruppe personell und ausrüstungsmässig aufgestockt werden: 1965 wurden zwei Ford Taunus-Transit in Dienst gestellt, denen 1966 ein dritter Wagen des gleichen Typs folgte. Die Ford Taunus waren derart untermotorisiert, dass z.B. das Befahren einer Einstellhalle zum Risiko werden konnte. War die Rampe zu steil, konnte man die Halle nicht mehr verlassen. Ein Abschleppfahrzeug musste jeweils aufgeboten werden, um den Wagen aus seiner misslichen Lage zu befreien. Deshalb wurde schon 1971 der erste und 1975 der zweite Ford Taunus-Transit durch Fahrzeuge des Typs Opels Blitz 2,5 L ersetzt. BS 17-1 führte auf dem Dach eine Leiter mit und wurde deshalb ‚dr Leiterewaage genannt. Auf dem Dach war eine Plattform angebracht, von der aus auf sichere Weise von oben fotografiert werden konnte.

Der letzte der drei Ford-Taunus war noch bis ins Jahr 1980 im Einsatz. Er diente bei Demonstrationen als Lautsprecherfahrzeug. Den Motorradfahren wurde er noch einige Jahre als Patrouillenfahrzeug zur Verfügung gestellt.

1984 wurde ‚dr Leiterewaage altershalber durch einen VW LT 35 ersetzt. Im Zuge des Fahrzeugwechsels in den Jahren 1980, 1984 und 1987 kam das Aus für die Kontrollschilder BS 17-1, -2 und -3. Diese Schilder entsprachen eigentlich nie dem Strassenverkehrsgesetzt und waren in Anlehnung an den Polizei-Notruf 17, welcher in Basel am 15. Mai 1931 eingeführt worden war, geschaffen worden. Das gleiche Schicksal erlitt auch die Feuerwehr. Diese hatte ihre Fahrzeuge mit den Schildern BS 18-1 usw. eingelöst.

Polizeimuseum Basel
Spiegelhof
Spiegelgasse 6-12
4051 Basel

FIRMENNAME | Vorname Nachname|Tel 0000 - 00 00 00 |www.kundendomain.com|info@kundendomain.com

Um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos.

OK